Lebens- und Teilhabechance für alle?
„Ein subventionierter Arbeitsmarkt, der nicht als Transferstation in der Arbeitsbiographie gestaltet ist, sondern als sozialer Ort, als Segment des Arbeitsmarkts, auf dem man (unter bestimmten Voraussetzungen) dauerhaft (also bis zum Pensionsantritt) verweilen kann (arbeiten, Versicherungszeiten erwerben).“
So definiert Frau Mag. Silvia Kunz, Geschäftsführerin des FAB, im Rahmen der am 29. und 30.10.2009 stattgefundenen FAB-Fachtagung „Beschäftigung mit Arbeit“ den integrativen Arbeitsmarkt. Was dieser zu bedeuten hat und warum er in Zukunft wichtig sein wird, galt es im Rahmen dieser beiden Tage zu diskutieren.
Alles dreht sich um das liebe Geld?
Dass Arbeit für Menschen wichtig ist, schien im Rahmen der Veranstaltung niemand in Frage zu stellen, lieferte Direktor Wolfgang Gruber, Geschäftsführer des FAB, doch die Begründung dafür:
„Arbeit sorgt für gesellschaftliche Integration, Stabilität, Sicherheit sowie für Werte und Wertgefühl. Darüber hinaus sichert sie die Existenz und unser Sozialsystem.“
In wenigen Worten fasst er damit die unterschiedlichen Dimensionen von Arbeit zusammen, wodurch aufgezeigt wird, dass es für die Gesellschaft und für Arbeitslose um mehr geht als nur um Geld.
Das Finanzielle spielt jedoch auch über Umwege eine nicht unwesentliche Rolle, wenn man über den Arbeitsmarkt diskutiert, nämlich im Bezug auf die Pensionen. Josef Ackerl, Soziallandesrat in Oberösterreich, meinte dazu, dass unser Pensionssystem an sich nicht schlecht ist, aber es baue eben darauf auf, dass es möglichst viele Beschäftigte gibt. Damit liefert das Pensionssystem einen Grund für den integrativen Arbeitsmarkt, da es in Zukunft immer weniger Arbeitsplätze für die gesamte Bevölkerung am ersten Arbeitsmarkt geben wird und damit nicht genügend Beschäftigte.
Prof. Dr. Emmerich Tálos von der Universität Wien, stellt dazu passend fest, dass Beschäftigungsfähigkeit nicht gleich Marktfähigkeit bedeutet. Beides gemeinsam sind wichtige Punkte für die Rechtfertigung eines integrativen Arbeitsmarktes.
Für den Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist Geld ebenfalls sehr wichtig, gilt es einen integrativen Arbeitsmarkt auch finanziell zu fördern. Darum freute er sich, den Teilnehmern der Fachtagung verkünden zu können, dass sein Arbeitsmarktbudget erweitert wurde und er damit positiv einem integrativen Arbeitsmarkt entgegen sieht.
Dieses Budget wird auch wichtig sein, so stellt ein Teilnehmer der Fachtagung richtig fest, dass Unternehmen am ersten Arbeitsmarkt nicht als Zweck, die Schaffung von Arbeitsplätzen sehen, sondern die Erwirtschaftung von Geld, wofür oftmals Arbeitskräfte benötigt werden. Sozialbetriebe hingegen haben als Zweck die Schaffung von Arbeitplätzen, wofür sie Geld brauchen.
Erfolgreiche Fachtagung
Verschiedene Blickwinkel wurden an den beiden Tagen von den Teilnehmern aufgezeigt, denn nicht nur die Vortragenden, auch das Publikum bestehend aus Vertretern von verschiedenen NGOs bzw. sozialen Betrieben, der Politik, des Arbeitsmarkts und von Organisationen der Interessensvertretungen, war eingeladen, den Begriff des „integrativen Arbeitsmarktes“ zu erarbeiten und seine Bedeutung für den österreichischen Sozialstaat und Arbeitsmarkt.
An zwei Tagen konnte man über die Zukunft des Arbeitsmarktes und über die damit einhergehenden Strukturänderungen nachdenken. Wie schnell es zur Ausprägung eines integrativen Arbeitsmarktes kommen kann bzw. wird, muss erst gesehen werden. Der Bedarf daran scheint jedoch gesichert.
Nähere Informationen zur Tagung finden Sie in unserer Tagungsmappe.
Weitere Unterlagen zu den Referaten und Workshops sowie Videos folgen in Kürze! Inzwischen gibt es hier einige Schnappschüsse der Veranstaltung.